Im Folgenden wird die Kindheit und Jugend von Fritz Barnstorf durch vorhandene Dokumnte geschildert. Die Zeit vom Schulende 1922, über die Studentenzeit und der Berufsweg finden sich in einer separaten Website "Jahrgang 1901"

Fritz lebte bis 1920 auf dem Hof Nr. ass 5, den sein Vater als Landwirt gepachtet hatte. Erst 1920 wurde dann auf den Hof Nr. ass 3 , der von seiner Grosstante Auguste Barnstorf seinem Vater vererbt worden war , umgezogen (siehe Lebenslauf oben)

Ass5
Bild vom Hof Nr. ass. 3, ca. 1910, Sitz der Familie Barnstorf bis 1920. Lnks Fritz, rechts Bruder Heinrich Barnstorf

 

Aus dem Kurzlebenslauf von Fritz geht hervor, daß er in den wiederkehrenden, längeren Krankheitspausen von der Schule Zeit für seine Bücher hatten, dessen Lektüre ihn zu eigenen Schreibversuchen angeregt haben müssen. (Der Bücherschrank seiner Großtante bot reichlich Lesestoff) Im Nachlass befindet sich eine Flut von Texten, die oft in der Welt Südostasiens (heutiges Indonesien) oder in der Zeit kriegerischen Römer Herrschaft spielen.

 

Als Beispiel hier das Bild des Umschlags einer Kladde mit der Erzählung „Saalburg Stürme – Römertücke“. (Geschrieben vermutlich 1915)

Saalburg

Früh übte sich Fritz aber mit Vorliebe im Schreiben von Gedichten, die 1918 von Lokalzeitungen in Braunschweig und Wolfenbüttel veröffentlicht wurden. Er schreibt darüber in einem kleinen Notizbuch, das von ihm für Tagebuchähnliche Eintragungen von 1911 bis ca. 1918 benutzt wurde.

 Notizbuch

Kopie einer typischen Seite aus dem Jahr 1915, der große Krieg spielte im Hintergrund immer eine Rolle.

 Einträge im Notizbuch von 1918

 Hier werden dann seine Erfolge beim Dichten erwähnt, er will später als Schriftsteller und Literaturkritiker arbeiten.

Wieder einmal große Ferien vom 13. Juli bis 12 August. Sind aber gleich wieder hin (alle). Mit Eilzugstempo hingegangen. Wieder sind wir d. h. ich außer einmal nach Dettum und Asse gekommen. Eine Harzfahrt wie voriges Jahr (ebenfalls nicht in den Ferien) scheint durch Teilnahmslosigkeit der Damen nicht anzugehen. W. U(termöhlen) ist auch nicht mehr hier, ergo Langeweile. Ich lese und brüte. Neulich 5. August hat ein von mir verfaßtes Gedicht in der Zeitung gestanden, ebenso vorher ein Aufsatz über Theater. Ja, ja, der harmlose Bengel von S. 1, der noch kein Wort richtig schreiben konnte, hat sich nun zum angehenden Dichterling entwickelt. Die „Jahre fliehen pfeilgeschwind“, wie der Dichter Schiller schreibt. Schiller, Gö., unter meiner Würde. Meine literarischen Ideale sind noch unter den Lebenden. Hauptmann der Einzige, Rilke der große Träumer und alle die lieben Anderen. Ja, der junge Knabe aus der seligen Zeit von damals (anno 8) hat Ideale und Pläne. Er wächst ins Leben hinein, steht schon halb drin. Wie wird ihm die Luft bekommen. Die Zeiten werden es sehen … Ich verliere mich da in Gedanken und dabei ist die Wirklichkeit doch noch schön u. Sorglos. Wenigstens ziemlich. Krieg ist immer noch. Er hört nie wieder auf. Naja, ich bin in U II, 17 Jahr, bereite mich noch auf Militärmusterung vor. Jawoll! Theater lockt immer noch stark. Eben ist es ja zu, aber noch 3 Wochen dann ---. In 4 Tagen geht es wieder nach Br. Mit seinen Vorzügen u. Nachteilen. „Kann es nicht sein…“ Ja was schreibe ich da alles. Ich wollte mal wieder was eintragen in dies Büchlein, das soviel Erinnerungen an schöne Zeiten birgt. Meine ganze Kindheit steht liegt darin, sollte ich einmal etwas wie eine Autobiografie schreiben, so finde ich hie Material genug. Ein Wort fällt mir da ein, das ich neulich las: Man kann über seine Kindheit beseeligt sein oder weinen, belächeln kann man sie nicht. In diesen Blättern sind viel Torheiten aber ebensoviele herrliche Erinnerungen.

So, nun wieder, „auf Wiedersehen“ für ungewisse Zeit.

Geschr. Am 8. August 1918 abends 2 min vor 7 Uhr am alten Schreibtisch.

Doch: Ich schreibe gleich noch was hinterher. Ich lese eben „Buddenbrooks“, das wundervolle Buch Th. Manns. Soviel gute u. feine Ironie liegt darin, soviel sprachlicher Klangreiz, bezaubernde Kleinmalerei, ein mächtiger, fortreißender Wurf u. soviel Herzlichkeit u. Erschütternder Wirkung, daß ich wieder ( zu 3. Mal) begeistert von dem Werk bin. Ich will nun zur besseren Übersicht einen Stammbaum der großen Senatorenfamilie hier aufzeichnen:Budden

Seitdem ich diese Eintragung machte, hat sich schon in meinem dichterischen Werdegang allerhand bedeutendes vollzogen. Ich war auf eine Einladung hin bei dem Wolfenbütteler Redakteur u. Dichter Meyer-Rotermund1, der solche Gnade für mich zeigte, daß er noch ein Gedicht von mir druckte, mir Karten aus Weimar sandte, mih zu Vorträgen einlud u.s.w. Ja,und was das bedeutendste ist: am 17.Oktober 1918 abends 8 Uhr fand im „Deutschen Hause“ Brschwg. Ein Braunschweiger Dichterabend statt, auf dem Frau Traute Meerwarth-Sebold zwei Gedichte von mir ausdrucksvoll vorgetragen wurden. Meine Achtung vor mir steigt 5 cm. Die Kritik nachher in der Landeszeitung und im Kreisblatt sehr gut, auch speziell über mich. Hab ick mir jefreut! Na, nun gehts weiter auf der Bahn des Poeten. Die „Landeszeitung“ will was von mir drucken. Ich habe sogar die Kühnheit gehabt, nach einem Verlage zwecks Buchausgabe meiner Gedichte zu schreiben. Antwort zweifelhaft. Ja, ja, berühmter oder bekannter wird man schon, aber man rückt auch immer mehr von der sorglosen Zeit der Jugend ab –, immer dieser verfl. Gedanke; Leider muß man sorgenschwer in die Zukunft Deutschlands blicken, der Krieg ist verloren, alles war umsonst. Es ist alles neu geworden. Wir stehen zitternd vor der riesigen Sphinx der Zukunft, wird sie beim Sonnenaufgang jubeln „Neuland der Kultur!“ oder wird sie schweigen weil graue Nebel die Sonne ersticken ???

Dir aber, Du Poeta, ruf ich zu:

Stoß ab vom Jugendstrand voll süßer Ruh,

und über Meer fahr ins Alter Du;

Es droht der Sturm; Die Segel auf den Mast!

Stoß ab! Glückauf! Nun kräftig angefaßt!--

 25. Oktober 1918 Morgens ¾ 11 Uhr.

 1919

Diverse Bezüge auf Krankheiten: Grippe, Lungenentzündung. Liegekuren, die zur Schriftstellerei genutzt wurden:

Hoffentlich nahen bald Kohleferien. Ich werde mich solange noch schriftstellerisch betätigen, was mir als Mitarbeiter des „Sonnigen Weges“2 nicht schwer fällt. Augenblicklich lauern ein halbfertiger Roman, drei Novellen, 2 Feuilletons auf Anfertigung („Heimat“,Zukunftsroman, „Die goldene Hochzeit“, „Der Arzt“, „Die Ballade in moderner Dichtung“) … Sonntag 12. Oktober

Zum oben erwähnten „Dichterabend“ am 17. Oktober 1918 im Spiegelsaal des Braunschweiger Hotels „Deutsches Haus“ sind einige Zeitungsausschnitte erhalten, die aus dem WFKreisblatt

stammen.

Einige vorgetragene Gedichte von F.B. :

3 08 189 12 19

 


 10 08 1920 09 18

Die Besprechung des Abends im Wolfenbütteler Kreisblatt:

 Dichterabend3

Im großen Konvolut an überlieferten Gedichten der Jahre 1915 – 1922 zeigen sich immer wieder Bezüge zum Geschehen des Weltkriegs. Die Sicht auf den Krieg veränderte sich mit zunehmendem Alter, von patriotischem Pathos bis dann im Jahr 1922 pazifistisch, kritische Gedanken aufkamen. (Fritz war 1921/22 Mitglied im „Deutschen Pazifistischen Studentenbund“3 der 1921 in Braunschweig gegründet wurde.) Aber zunächst ein jugendlich, patriotisches Gedicht (vermutlich von 1916

VomKrieg     vomkrieg                            

 

Später als Kritik in Bleistift vermerkt: „Darum zeichnet Kriegsanleihen !“

Fritz begegnete dem in Braunschweig lebenden Felix Riemkasten 1919, einem Beamten in der Braunschweigischen Verwalten und aktivem Schriftsteller, und überließ ihm zur Kritik seine Gedichtsammlung mit dem Titel „Aus Nacht und Tag“. (Gewidmet wurde sie seiner Lisa zum Geburtstag im Januar 1920.) Getroffen hat Fritz ihn vermutlich auf einer Sitzung des „Lessing Bundes“, dem literarischen Treffpunkt der Braunschweiger Literaten.

Im Folgenden eine Dokumentation dieser kritischen Auseinandersetzung mit der Sammlung, freundlicherweise transkribiert und kommentiert von Katrin Grünepütt, Berlin.

Fritz Barnstorf und Felix Riemkasten

Eine prägende Person in Fritz‘s Interesse an der Literatur war Ina Seidel4, die er auf einem Leseabend in Braunschweig im April 1917 erlebte. 1918 schrieb er ein Essay über Seidel, aus dem die grenzenlose Verehrung für diese Dichterin zum Ausdruck kam.

Hier eine Abschrift seines Textes:

 

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Ina Seidel

Es war im großen Kriege, im Jahre 1915, da erschien im Verlag von E. Fleischel, Berlin ein schmales, schlichtes Büchlein Gedichte unter dem Titel „Neben der Trommel her“ . Damals war die Zeit, in der der literarische Markt überschwemmt wurde von einer Woge, einem Meer von Kriegsgedichten, in denen die Dichter das riesige Erlebnis des Krieges, des entsetzlichen Mordens in ihren Versen wiederzugeben versuchten. Aber das Erlebnis war entweder zu groß oder der Dichter zu klein, um voll und ganz zu geläuterten Kunstwerken ineinander verschmelzen zu können (?) Den Kritikern, die diese Büchermengen zu sichten, zu ordnen und ihren Inhalt zu lesen und zu begutachten hatten, wurde es immer schwerer, aus dem Lärm und dem Getöse der Reklametrompeten und aus dem Waffengerassel und Kanonendonner der Gedichte den goldklaren Ton einer echten Dichterharfe herauszuhören.

In das Meer der damaligen Kriegslyrik warf sich nun das Büchlein „Neben der Trommel her“ , das als Autorin Ina Seidel angab. In der reißenden Strömung mitgerissen, wurde es bald , bald dort auf den Schreibtisch eines Rezensenten geworfen, der grimmig den Titel erblickte aus dem er das konventionelle Phrasieren (?) mit Krieg und Sieg, Not und Tod, Hurra und Viktoria herauszuhören glaubte. Er begann zu lesen und bereits aus den ersten Gedichten klang ihm ein so klarer Ton entgegen, daß sein Blick sich milderte. Er las und las … und ward überwältigt von so viel warmer Menschlichkeit und dichterische Schönheit. In dem starken und eigenwilligen Rhythmus dieser Verse sprach soviel heißes Mitleid mit dem Nächsten und soviel frauliche Güte auch mit dem Feinde, daß aus den schon gewählten Worten des Hohns und Spottes ein Loblied wurde, das begeistert die Dichterin pries.

Wie eine neue Sonne ist Ina Seidel am Dichterhimmel erschienen, nicht blendend jedoch und in kaltem, funkelnden Lichte, sondern mit sanftem, lieblichem Leuchten und Strahlen, gleich dem Stern von Bethlehem. Wärme spendend leuchtet sie hinein in die Herzen der Menschheit, die auch unter dem starren, blutrünstigen Eisenpanzer noch schlagen, zitternd in heimlicher Sehnsucht und beben in erstickter Liebe. Ist es da ein Wunder, daß jeder, dem die Verse der jungen jungen Dichterin das Eis in der Brust schmolzen, selig ihren Namen preist und ihr neuer Freund wird? So wurde Ina Seidel einem kleinen, aber festen Kreis von innigen Verehrern ihrer Kunst bekannt.

- Die Gedichte „Neben der Trommel her“ waren nicht ihr erstes Werk. Bereits in den ersten Kriegsmonaten war, ebenfalls bei E. Fleischel, ein von Buch von ihr erschienen, das den schlichten Titel „Gedichte“ trug. Diesem Werk, das bereits in einigen Stücken das Ereignis des Weltkriegs in dichterisches Gold umprägte, verstand (?) ein begeisterter Herold in Börries Freiherr von Münchhausen5, dem Sänger des Adels. Er war sorgsam bemüht, der ersten Ausfahrt dieses Buches die Klippen

aus dem Wege zu räumen und legte dem deutschen Volke mit warmherzigen und dringenden Worten ans Herz, diese geniale Dichterin nicht zu vergessen und im Gewühl des Alltags versinken zu lassen.Was Münchhausen als das herausragendste empfand am Erstlingswerk I. Seidels, das Echt-weibliche und Gütige , das wird jeder, der ihr erstes und die folgenden Werke genießt, ebenso erfüllen und auf sich wirken lassen. Wie auch Münchhausen meint, wäre es daher unnötig, in kritischen Aufsätzen Ina Seidel mit dem Volke bekannt zu machen, denn ein derart echtes (?) und volles Lebenswerk wird sich ohne besondere Lobpreisungen durchsetzen. Aber es würde immerhin Zeit dazu nötig haben, und aus diesem Grunde ist es mir ein dringender, inniges Bedürfnis, wenigstens einem kleinen Teil unseres Volkes auf diesen köstlichen Schatz hinzuweisen, der in den Werken I. Seidels in unserer modernen Literatur ruht. Gerade jetzt in dieser unerhört harten Zeit der Not, braucht das deutsche Volk (wenigstens der Teil, der noch im Herzen trotz aller aller Schmach deutsch geblieben ist und das ist der am meisten leidende) einen süßen Vergessenstrank, der es einschlummern läßt zu Füßen eines Dichters sein Herz erleichtert von Sorgen und umhüllt mit Träumen von Liebe und Güte.

Um einen Dichter zu begreifen, pflegt man seine innere Entwicklung aus seinen Werken heraszulesen. So wird immer der Werdegang einer jeden Künstlerpersönlichkeit zum Maßstab seiner Einzelwerke. Ina Seidel hat fast keine Entwicklung. Reif und sprachlich abgeklärt, tritt sie uns bereits in den „Gedichten“ entgegen. Man findet bereits hier dieselbe strenge dichterische Zucht, dieselbe mächtige Einfachheit, die ihre späteren Werke wie aus mattem Silber gegossen erscheinen lassen. Freilich deuten einige stürmisch auflodernden Gedichte an, daß auch allerhand aus der dichterischen Frühperiode Aufnahme gefunden hat, aber überwiegend ist die voll ausgereifte Künstlerschaft. Alle die Besonderheiten aus dem I. Seidels bisheriges Werk sich aufbaut finden sich bereits vor und durchleuchten das Buch wie wunderbare Edelsteine mit ihrem sanften Eigenlicht.

Vorwiegend ist die gedankliche Lyrik, wie in allen Gedichtbüchern der Seidel. Zwischen den Zeugnissen einer wundervoll starken Persönlichkeit eingestreut liegen dann die rein lyrischen, beschreibenden Stücke. Das Gedankliche des Buches mündet in drei ?? Eigenschaften der Dichterin: Die fast mystische Liebe zur Natur, zur Heimaterde, die schmerzliche Sehnsucht nach Wahrheit und Erkenntnis und das echte Gefühl der Frau: Das Weib- und Mutterglück. Aus diesen Quellen strömt in ?? … Gestalten der klare Trank der Seidelschen Dichtung wie er in allen ihren Dichtungen zu Tage tritt. Aus dem Gefühl der Liebe zur Mutter Erde entsteht ihre inbrünstige Hingabe an die Natur, wie sie in ihrem letzten Buch „Weltinnigkeit“ ihren herrlichen, ergreifenden Höhepunkt findet.

Seit ich an einem warmen, dufterfüllten Aprilabend des Jahres 1917 Ina Seidel in ihrer Heimatstadt Braunschweig aus ihren Werken vortragen hörte,die sie schlicht und doch so unendlich innig einem großen Publikum vorlas, seitdem bin ich ein fortgerissener Verehrer dieser Kunst, die so wohltut nach dem hohlen Pathos und der überhitzten Raserei des Expressionismus.(sic!) Auch in den ungeheuren Nöten dieser Zeit bilden Ina Seidels Werke einen Jungbrunnen von märchenhafter Klarheit für alle, die noch deutsch und stark empfinden, und das sind trotz aller Schmach der letzten Monate noch viele. …….

(Angemerkt durch ? und ...sind einige schwer lesbare Stellen im handschriftlichen Text)

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Der Text zählt zu einer Reihe von „Rezensionen“ aus dieser Zeit, die Fritz wohl möglich als Übungen für einen späteren Literaturkritiker ansah. Dazu zählen auch die Besprechungen seiner zahllosen Besuche des Braunschweigischen Hoftheaters, die er für die Spielzeit niederschrieb:

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Herzogliches Hoftheater 1918

Der durch die Vorstellungen des Hoftheaters in mir erweckten Eindrücke.

Es soll in folgenden Zeilen keine Kritik im landläufigen Sinn geübt werden, es genügt mir, die Eindrücke, die ich von der Kunst empfing festzuhalten.

21. April 1918 „Ring des Polykrates

Ich kam mit den Gedanken hin, daß nach den vorherigen Zeitungsnotizen, das Werkchen eine komplizierte Musik habe. Die ersten Takte verrieten mir ein Talent, das umso wunderbarer ist, als es einem siebzehnjährigen zu Tage tritt. Erstaunlich und unbegreiflich wurde für mich die technische Fertigkeit, in überraschender Instrumentierung kecke Figuren von perlender Melodie hinzuwerfen.Wunder bar klingt die Stelle, beim Lesen des Tagebuchs: Zuerst eine flirrende Bewegung (ähnlich Waldweben) in den Geigen, dann die überraschende glockenähnliche Stelle, die sich abstuft und in ein sanftes Brausen der Celli mündet. Im Ganzen: Ein Wunderwerk technischer Feinkunst, melodiös und klangschön, mit ansprechender Handlung, geschaffen von einem Wunderknaben.

Rahab

Die Musik ist nur stellenweise von der erwarteten Schönheit,schöne Melodien finden sich aber auch, z.B. die summende Weise der Dienerinnen und die Schilderung Hirans von dem Zuge Israels. Im ganzen klingt sie nicht eigen genug, ist zu angelehnt an Wagner und Strauß. Anfänglich befremdend wirkte die grelle, farbenbunte Ausstattung, sie wirkte jedoch stark. Die Figuren der Juden waren sehr echt in Tracht und Spiel. Man wurde fortwährend an B. v. Münchhausens Ballade: Rahab, die Jerichonitin erinnert.

Im Ganzen: Der Abend war sehr gut angebracht und der ungewöhnlich starke Beifall zeugte von der Wirkung der beiden Stücke.

22. April „Die fünf Frankfurter

Gemütlich heitere Stimmung. Vorzüglich gelungen in der Charakterisierung der fünf Brüder. Die Mutter ist ebenfalls eine gut gezeichnete Type. In der Darstellung des sehr befriedigenden Stückes stechen hervor Mesmer als humo

1 Kurt Meyer-Rotermund (* 6. 1März 1884 in Wolfenbüttel; † 9. Mai 1977 in Bad Salzuflen) war ein deutscher Schriftsteller, Lyriker und Essayist.

 

2„Der sonnige Weg“ war eine kleine Monatsschrift für die Schriftsteller des Braunschweiger Landes herausgegeben von Ernst Bergfeld. Fritz B. schrieb u. a. zwei Texte für diese „Monatsschrift für schöne Literatur, Dez. 1919 und Januar 1920.

3Der Deutsche Pazifistische Studentenbund (D.P.St.) war eine parteiübergreifende politische Studentenorganisation der Zwischenkriegszeit. Er wurde im Oktober 1920 auf dem Deutschen Pazifistenkongress in Braunschweig gegründet und setzte sich für die Versöhnung mit den einstigen Kriegsgegnern und für internationale Zusammenarbeit ein. (Zitat: Wikipedia)

4Ina Seidel (* 15. September 1885 in Halle; † 2. Oktober 1974 in Ebenhausen bei München) war eine deutsche Lyrikerin und Romanautorin. 1930 erschien ihr als Hauptwerk eingeschätzter Roman Das Wunschkind, zwei Jahre später wurde sie als zweite Frau in die Preußische Akademie der Künste berufen. 1933 gehörte sie zu den 88 Schriftstellern, die Adolf Hitler das Gelöbnis treuester Gefolgschaft schworen und wurde von ihm persönlich 1944 in die Gottbegnadeten-Liste aufgenommen. Auch nach 1945 erhielt Seidel noch zahlreiche Ehrungen. (Zitat: Wikipedia)

5Börries Albrecht Conon August Heinrich Freiherr von Münchhausen (* 20. März 1874 in Hildesheim; † 16. März 1945 in Windischleuba) war ein deutscher Schriftsteller und Lyriker der Neuromantik. Er war Antisemit und stand der völkischen Bewegung nahe. In der späten Weimarer Republik gründete er die elitäre Deutsche Dichterakademie. In der Zeit des Nationalsozialismus ab 1933 beteiligte er sich aktiv an der rassistischen Kulturpolitik des NS-Staates. Während die zeitgenössische Literaturkritik seinen literarischen Rang hoch einschätzte und die Germanistik ihn bis in die 1960er Jahre als Balladendichter rühmte, ist der Autor heute weitgehend vergessen.